Prag im Winter

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Prag im Winter, das wollten wir uns schon immer mal anschauen. Anfang Februar 2018 war es dann so weit, mal wieder Prag auf den Spuren besonderer Biere und großer Dichter zu erkunden.

Blick vom Hotel zum Hradschin (Burgberg) . Alle Vorgestellten Brauereien und Wirtschaften konnten wir von hier aus zu Fuß erreichen.

Nach einem gar nicht mal so guten Essen (Schweinebraten lauwarm und die Ente nur noch Haut und Knochen, immerhin war das Pilsener Urquell gut) im  U Glaubicu,  flanierten wir bergauf in Richtung Kloster Strahov. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wurde die Aussicht besser.

 

Der Ausblick auf die Altstadt und die Burg ist schon Klasse! Leider wollte keines der Fotos so richtig scharf werden.

 

 

 

 

 

Direkt beim Kloster sind zwei großzügige Biergärten, eine große Bierhalle und eine Brauerei. Letztere ist von unten, also von der Altstadt her kommend, gar nicht so einfach zu finden.

Die Tafel rechts im Bild, sieht man erst, wenn man vor der Brauerei steht.

Wir landeten erstmal in der Bierhalle und tranken zusammen ein Urquell, dazu eiskalten Apfelstrudel, brr. Es war kaum was los und die Angestellten langweilten sich. Da gibt es dann schon mal kalten Apfelstrudel. Schon eigen, wie der 1. Tag in Prag begann. Aber es sollte später besser werden. In der Brauereiwirtschaft war kein Platz mehr frei, außer im Biergarten, der auch gut besetzt war. Ja Biergarten, bei Temperaturen um die Null Grad. Da schnatterten die Gäste, eingehüllt in rote Decken.

Also gingen wir über die Nerudova Straße zurück in die Mala Strana . Die Nerudova wurde nach dem tschechischen Dichter Jan Neruda (1834-1891) benannt, der hier gewohnt und so schöne Sachen, wie die „Kleinseitner Geschichten“ geschrieben hat. Der chilenische Dichter Néftali Ricardo Reyes Basualto, besser bekannt als Pablo Neruda, hat sein  Pseudonym zu Ehren von Jan Neruda so gewählt.

Von der Nerudova aus geht es über die unvermeidliche Karlsbrücke zur Brauerei U Tri Ruzi. Nein das sind nicht die drei Russen, es handelt sich vielmehr um drei Rosen. „dej Bůh štěstí“, der Spruch, oben über der Brauerei bedeutet so viel wie „Gott gebe Glück“ und er hat es gut gemeint mit den drei Rosen.

Aus der 10 Hektoliter Anlage wird die Würze in die Lagertanks, die sich unten im „mittelalterlichen Keller“ befinden, gepumpt.

Hier gab es dann endlich was ordentliches zum Essen und sehr gutes Bier. Man kann alle Biere in kleinen 0,25l Gläsern probieren. Die Kellner sind Profis, die Wirtschaft ist einladend, mit ansprechendem Konzept.

 Zu den Bieren, Notiz:

helles Lagerbier:  (links vorne) klar, beständiger Schaum, schlanker Körper, angenehm gehopft.

Vienna Red: Wunderbar malzig, rötlich, wenig Schaum, naturtrüb, gut gehopft, sehr schön (im Schnapsglas).

Dark Rose: typisches Dunkles Lagerbier mit Lakritz Aromen , trifft den Stil perfekt.

Brown Ale: (oben, neben der Brotzeit, im kleinen Glas) sehr dunkel, naturtrüb, beständiger Schaum, trocken malziger Antrunk, fruchtige Mitte, citrus hopfiger Abgang, obergärig, buttrig.

Mein Favorit war aber das Klosterny Spezial (oben im Kelch): 8% Alk. Vol., trüb, beständiger Schaum, mächtiger Körper, wunderbar malzig und doch nicht zu süß. Mit Hopfen gut ausbalanciert.

Auf dem Weg zum U Dobsenkych sind wir dann noch hier vorbeigekommen, ich hätte das glatt übersehen, aber meine Frau hat aufgepasst:

U kunstatu. Das ist ein Craftbeer Laden. Da saßen dann auch bärtige Typen mit Mützen und am Nebentisch asiatische Frauen, jede mit einer Stange Bier. Das sind Verkostungseinheiten mit 6 Gläsern, siehe den obigen Link. Wir haben uns für eine Flasche Saison der Grazy Clown Brewery entschieden: Kiwicked, 5,7% Alk.Vol., Bernsteinfarben, trüb, beständiger Schaum, fruchtig malziger Antrunk, sehr schlank, fruchtige Mitte, säuerlich, trocken herber Abgang. Kiwi ist mit etwas Phantasie zu riechen. Sehr gutes Bier.

Die Kellner sind bemüht alles richtig zu machen und haben wohl Spaß an ihrer Arbeit, sind aber keine Profis. Die Preise sind für Prager Verhältnisse schon gesalzen.

Zum Abschluss des 1. Tages hatten wir uns noch eine schöne Brauereiwirtschaft ausgesucht: das

U Dobrenskych: 

Im Bild rechts sieht man die 4 Hektoliter Anlage und den Tresen, in die Gärtanks dahinter passen je 8 Hektoliter, also großes Kino auf kleinstem Raum. Es lief alte Jazzmusik, die Bedienung ist ein Profi, wieselflink und immer gut gelaunt. Das ist so ein richtig gemütlicher Laden.

 

IPA, 6,2 % Alk. Vol. im 0,25er Glas. Bernsteinfarben, recht klar, Bomben Schaum, durchtrainierter Körper, sogleich Hopfenschübe, fruchtig herber Abgang, sehr erfrischend,  Klasse Bier!

 

 

 

Salvia Stout, 6 % Alk. Vol, Sweat Stout, sehr rund, keine Malzbittere, hat die üblichen Stout- und im Abgang deutlich Salbei Aromen.

Auf dem Heimweg ins Hotel hat es dann noch angefangen zu schneien und auf der Karlsbrücke war es schon fast ein Schneesturm. Ich liebe es, wenn es schneit. Das war ein sehr gelungener Abend!

Demnächst geht es in diesem Theater mit Prag im Winter Teil 2 weiter.

 

4 Kommentare

  1. Hallo Peter,
    danke mal wieder für die gesammelten Impressionen. Das liest sich gut, macht allerdings ein wenig durstig. Freut mich, daß ihr im Lauf des Tages zunehmend weniger Gründe zum Granteln hattet.

  2. Servus Peter,
    Damit steht meine Geburtstagsfeier fest.
    Vielen Dank für die Vorauswahl!
    Das Titelbild mit der engen Gasse, erinnert mich irgendwie an Kafka… Hat er vielleicht da gewohnt?

    1. Servus Florin,

      ein paar Tipps kommen noch im 2. Teil. Ob Kafka in der Gasse gewohnt hat, weiß ich nicht, wir haben auch geschaut, dass wir da schnell weiterkommen. Nicht dass uns noch der Golem erwischt. 🙂

      Viele Grüße
      Peter

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